Studieren im Ausland kann aus vielen Gründen spannend und interessant sein und viele wichtige Erfahrungen für das spätere Leben schaffen. Allerdings ist ein Auslandsstudium in Hinblick auf die Voraussetzungen und Vorbereitungen auch etwas komplizierter als ein Studium an einer deutschen Hochschule. Entsprechend sollte ein Studienaufenthalt im Ausland gut geplant sein.
Warum lohnt sich das Studieren im Ausland?
Ein Auslandsstudium hat verschiedene Vorteile. Zunächst einmal ist es eine gute Möglichkeit, um die eigenen Fremdsprachenkenntnisse zu verbessern und andere Kulturen, Menschen und Länder kennenzulernen. Darüber hinaus bietet das Studium mitunter auch einen etwas anderen Blick auf ein bestimmtes Studienfeld und ermöglicht so neue Erfahrungen, die bei der späteren Jobsuche Vorteile bieten können. Viele Unternehmen erwarten von jungen Bewerbern unter anderem Auslandserfahrungen, was mit einem Auslandsstudium in jedem Fall gegeben ist.
Das Studieren im Ausland ist zudem eine gute Möglichkeit, um internationale Kontakte zu knüpfen. Gerade in der heutigen Zeit, in der Unternehmen verstärkt international arbeiten, ist es von Vorteil, schon früh weltweit vernetzt zu sein. Ein Auslandsstudium kann dafür bereits eine erste Grundlage legen.
Ein oft unterschätzter Punkt ist zudem der Numerus Clausus. In Deutschland sind viele Studiengänge mit einem NC beschränkt, was den Zugang stark erschwert. Wer keine Chance sieht, mit seiner Abiturnote für einen solchen Studiengang zugelassen zu werden, sollte einmal einen Blick ins Ausland wagen. Oft sind die Studiengänge hier nicht nur unbeschränkt, mitunter wird ein Teil der Studienplätze sogar für ausländische Studierende reserviert.
Die Vorteile im Überblick:
- Sprachkenntnisse werden verbessert
- Man lernt andere Menschen, Kulturen und Länder kennen
- Man kann internationale Kontakte knüpfen
- Interessanter Punkt im Lebenslauf (evtl. von Vorteil bei Bewerbungen)
- Vorteilhaft bei späteren Auslandsaufenthalten
- Gesprächsstoff bei jedem Lagerfeuer
Die beliebtesten Studienziele im Ausland
Ein wichtiger Punkt bei der Wahl des Auslandsstudiums ist die Sprache. Da in Deutschland vor allem Englisch an den Schulen gelehrt wird, stehen auch englischsprachige Länder wie Großbritannien, die USA, Kanada oder Australien ganz oben auf der Popularitätsliste.
Österreich und die Schweiz sind zudem besonders für Studiengänge beliebt, bei denen in Deutschland ein NC existiert. Alternativ können aber auch Länder wie Japan oder Spanien und Portugal für das Studieren im Ausland interessant sein.
Welche Voraussetzungen gibt es für das Studieren im Ausland?
Während einige Vorteile für ein Auslandsstudium sprechen, sollte nicht vernachlässigt werden, dass auch bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden müssen. An erster Stelle steht hier meist die Fremdsprache. In vielen Ländern müssen ausländische Studieninteressierte ihre Sprachfähigkeiten nachweisen. Dafür wird entweder ein Sprachzertifikat vorausgesetzt oder es muss direkt ein Sprachtest absolviert werden. Zudem können die Hochschulen noch individuelle Voraussetzungen in Hinblick auf den Nachweis nach bestimmten Leistungen haben, die ebenfalls beachtet werden sollten.
Weiterhin sollten sich Interessenten über Dinge wie Lebenserhaltungskosten, Versicherungen, Visum und mögliche Studiengebühren informieren. Der finanzielle Aspekt kann beim Studieren im Ausland ebenfalls eine deutlich größere Problematik als in Deutschland sein.
Für einen Studienplatz im Ausland bewerben
Bei der Bewerbung für ein Auslandsstudium lohnt es sich, so früh wie möglich mit der Planung zu beginnen. Wem die Sache dabei über den Kopf zu wachsen droht, der kann sich Hilfe bei einer Organisation suchen, die sich auf das Studieren im Ausland spezialisiert hat und Interessenten mit Erfahrung und Rat zur Seite steht.
Grundsätzlich muss bei einer Bewerbung, ähnlich wie in Deutschland, zunächst die Hochschulreife nachgewiesen werden. Die Bewerbungsunterlagen sollten daher auch eine beglaubigte Kopie des Zeugnisses und anderer Leistungen enthalten. In bestimmten Fällen kann es notwendig sein, dass das Zeugnis übersetzt werden muss.
Dazu kommen die schon angesprochenen Sprachnachweise oder Zertifikate sowie unter Umständen Empfehlungsschreiben bzw. Referenzen. Letztere sind besonders im englischsprachigen Raum relativ weit verbreitet. Weiterhin können mitunter auch Motivationsschreiben verlangt werden, in denen die Studieninteressierten ihre Gründe und die Motivation für das geplante Auslandsstudium darlegen.
In manchen Ländern, besonders in der USA, werden die Studienplätze zudem auf Basis von standardisierten Tests vergeben, welche Schüler am Ende ihrer Highschool-Zeit ablegen. Auch Ausländer müssen die Tests häufig absolvieren, wenn sie in den USA ein Vollzeitstudium beginnen wollen. Bei einem Auslandssemester wird meist darauf verzichtet.

Gibt es einen BAföG-Anspruch beim Auslandsstudium?
Die Finanzierung ist bei einem Studium immer ein wichtiger Punkt und spielt beim Studium im Ausland sogar eine noch wichtigere Rolle. Die erste Anlaufstelle für angehende Studenten ist in der Regel das BAföG-Amt.
Tatsächlich werden deutsche Studenten auch unterstützt, wenn sie ein Auslandsstudium aufnehmen. Handelt es sich bei dem Studienort um eine Hochschule in der EU oder der Schweiz, dann kann über den gesamten Studienzeitraum Förderung bezogen werden. Bei einem Studium außerhalb der EU liegt die Grenze bei einem Jahr, in einigen Fällen kann sie aber auf bis zu zweieinhalb Jahren erhöht werden.
Ein BAföG-Antrag kann sich dabei auch für Personen lohnen, die bei einem Studium in Deutschland keine Unterstützung erhalten würden. So sind die Bemessungsgrundlagen bei einem Auslandsstudium höher, sodass Förderungen eher infrage kommen. Zudem unterstützt das BAföG-Amt nicht nur bei den Lebenshaltungskosten, sondern auch bei eventuell anfallenden Studiengebühren.
Wie teuer ist das Auslandsstudium und wie lässt sich dieses finanzieren?
Neben dem BAföG gibt es noch mehrere weitere Möglichkeiten für die Finanzierung eines Auslandsstudiums. Eine Option sind Stipendien wie sie beispielsweise durch den Deutschen Akademischen Austauschdienst und anderen Organisationen und Stiftungen vergeben werden. Die Voraussetzungen für ein solches Stipendium sind dabei sehr unterschiedlich, weshalb sich Interessenten im Vorfeld genau informieren sollten. Auch ausländische Hochschulen vergeben unter Umständen Stipendien und ermöglichen so das Studieren in ihrem Land.
Eine weitere Finanzierungsmöglichkeit sind Bildungs- und Studienkredite. Viele Banken, Bildungsfonds und das Bildungskreditprogramm der Bundesregierung bieten Finanzierungsmöglichkeiten an, die auch bei einem Auslandsstudium genutzt werden können. Ein Darlehen hat allerdings den Nachteil, dass es später wieder zurückgezahlt werden muss. Zudem fallen in der Regel Zinsen an. Daher ist es auch hier wieder wichtig, detaillierte Informationen einzuholen gerade in Hinblick auf Zinssatz, Rückzahlungsmodalitäten und Flexibilität.
Studieren im Ausland: Planung und Organisation
Wer sich für das Studieren im Ausland entschieden hat, sollte die Sache strukturiert angehen. Planung und Organisation sind verständlicherweise noch wichtiger als bei einem Studium in Deutschland. Neben dem Studienplatz selbst, muss sich der angehende Student beispielsweise auch um Dinge wie die Anreise, Versicherungen, Krankenversicherungen, Unterkunft, Bankkonto, Überweisungsmöglichkeiten oder eine Kreditkarte kümmern.
Um hier den Überblick zu behalten und wirklich nichts zu vergessen, empfiehlt es sich, eine Checkliste zu erstellen. Ist man erst einmal vor Ort, können Dinge, die vergessen wurden, schnell ein größeres Problem werden.
Bevor das Auslandsstudium beginnt, lohnt es sich zudem, sich mit den kulturellen und gesellschaftlichen Gegebenheiten vertraut zu machen. In vielen Ländern werden Deutsche mit großen kulturellen Unterschieden konfrontiert. Gerade wer nicht in unangenehme Fettnäpfchen treten möchte, ist gut beraten, sich ein genaues Bild von den jeweiligen Land und seinen Gebräuchen zu machen. Zudem bietet sich ein Sprachauffrischungskurs an, um sich schon einmal daran zu gewöhnen, nun verstärkt die Fremdsprache zu sprechen.
Werden die Abschlüsse in Deutschland anerkannt?
Beim Thema Studieren im Ausland stellt sich für viele die Studierende die Frage, inwiefern der Abschluss in Deutschland anschließend auch anerkannt wird. In Hinblick auf die EU wurde vor einigen Jahren mit der Bologna-Reform ein Weg geschaffen, Studienleistungen verschiedener Länder besser vergleichbar zu machen und die Anerkennung zu erleichtern. Bei sogenannten nicht-reglementierten Berufen kommt es ohnehin auf den Arbeitgeber an, wie er den Abschluss bewertet. Bei vielen Abschlüssen von anerkannten Hochschulen ist dies meist auch kein Problem.
Alternativ können Absolventen ihren Abschluss von der Zentralstelle für ausländisches Bildungswesen bewerten und in Hinblick auf das deutsche akademische Niveau einstufen lassen. Dies ist allerdings keine staatliche Anerkennung. Diese kann bei sogenannten reglementierten Berufen notwendig sein. Wer einen solchen ergreifen möchte, muss sich seinen Abschluss beim jeweiligen Bundesland bestätigen und einen Anerkennungsbescheid geben lassen.